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Abwassersysteme und Kanalrohre

Ein Abwassersystem führt Schmutz- und Regenwasser vom Gebäude zum Kanal. Es besteht aus Rohren, Formstücken, Schächten und, wo das Gefälle fehlt, aus einer Tauchpumpe.

Bei uns finden Sie Formstücke von DN 32 bis DN 400, flexible Verbinder und Tauchpumpen für 230 und 400 Volt.

Was gehört zu einem Abwassersystem?

Ein Abwassersystem sammelt das Wasser an jeder Ablaufstelle, führt es im Gefälle zusammen und leitet es zum öffentlichen Kanal, in eine Kleinkläranlage oder zur Versickerung. Die Anlage besteht aus fünf Leitungsarten, und jede hat ihre eigene Nennweite.

LeitungsartWo sie liegtTypische Nennweite
Anschlussleitungvom einzelnen Ablauf bis zur SammelleitungDN 40 bis DN 110
Sammelleitungnimmt mehrere Anschlussleitungen aufDN 90 bis DN 125
Fallleitungsenkrecht durch das GebäudeDN 90 bis DN 125
Grundleitungerdverlegt unter oder neben dem GebäudeDN 110 bis DN 160
Anschlusskanalvom Grundstück zum öffentlichen KanalDN 160 bis DN 200, Satzung meist ab DN 150

Richtwerte. Maßgebend sind DIN 1986-100 für die Bemessung, DIN EN 1401-1 für KG-Rohre aus PVC-U, DIN EN 1451-1 für HT-Rohre und DIN EN 1610 für Einbau und Prüfung.

KG oder HT: welches Rohr gehört wohin?

In Deutschland lässt sich diese Unterscheidung an der Farbe ablesen. Orangebraun bedeutet erdverlegt außerhalb des Gebäudes, grau bedeutet Abwasser innerhalb des Gebäudes.

MerkmalKG-RohrHT-Rohr
Einsatzorterdverlegt außerhalb des Gebäudesinnerhalb des Gebäudes
Farbeorangebraun RAL 8023grau, seltener weiß
WerkstoffPVC-Umeist Polypropylen
NormDIN EN 1401-1, Coex-Rohre DIN EN 13476-2DIN EN 1451-1
NennweitenDN 110 bis DN 500DN 32 bis DN 160
RingsteifigkeitSN 4, SN 8, auch SN 10 und SN 16nicht maßgebend

Grüne und blaue Rohre gehören zu einem dritten System: Das sind PP-Kanalrohre nach DIN EN 14758-1 in SN 10 und SN 16 für hohe Belastung. Wer im Baumarkt ein graues Rohr für draußen sucht, steht vor dem falschen Regal.

Wie planen Sie die Leitung?

  1. Abläufe zählen und jedem Ablauf die passende Nennweite zuordnen: Waschbecken DN 40, Dusche DN 50, WC mit 6-Liter-Spülkasten DN 90, WC mit 9-Liter-Spülkasten DN 100. Im Bestand lohnt der Blick in den Spülkasten, bevor Sie auf DN 90 reduzieren.
  2. Sammelleitung dimensionieren. Sie muss aufnehmen, was alle angeschlossenen Abläufe zusammen liefern.
  3. Gefälle festlegen: Für Sammel- und Grundleitungen gilt nach DIN 1986-100 das Mindestgefälle 1 zu DN, bei DN 100 also ein Prozent.
  4. Richtungsänderungen auflösen mit zwei 45-Grad-Bögen und einem Zwischenstück statt eines 90-Grad-Bogens.
  5. Reinigungsöffnungen setzen: am Fuß jeder Fallleitung, bei Richtungsänderungen über 45 Grad und vor dem Übergang ins Erdreich.
  6. Rückstauebene prüfen. Liegt eine Ablaufstelle darunter, brauchen Sie eine Sicherung.
LeitungMindestgefälleBeispiel
Unbelüftete Einzelanschlussleitung1 ProzentDN 50 Dusche: 1 cm je Meter
Sammelleitung und Grundleitung1 zu DNDN 100: 1 cm je Meter
Sammel- und Grundleitung auf Vollfüllung bemessen0,5 Prozentnur mit ausreichenden Reinigungsöffnungen

Was passiert unterhalb der Rückstauebene?

Steht der Kanal voll, drückt das Wasser zurück in jede Leitung, die tiefer liegt als die Rückstauebene. Im Keller kommt es dann aus der Dusche oder aus dem Bodenablauf wieder heraus. Welche Sicherung zulässig ist, hängt vom Abwasser ab.

  • Fäkalienhaltiges Abwasser, also alles mit WC, gehört nach DIN 1986-100 über eine Hebeanlage. Sie hebt das Abwasser über eine Rückstauschleife oberhalb der Rückstauebene und übergibt es erst dann an die Grundleitung.
  • Fäkalienfreies Abwasser, etwa ein Bodenablauf oder eine Kellerdusche ohne WC, darf über einen Rückstauverschluss nach DIN EN 13564 gesichert werden. Er schließt die Leitung, solange der Kanal voll steht, und macht sie in dieser Zeit unbenutzbar.
  • Eine Rückschlagklappe in der Druckleitung ersetzt beides nicht: Sie verhindert nur, dass Wasser in den Behälter zurückläuft.
  • Eine mobile Tauchpumpe ist eine Notlösung für den Schadensfall, keine Dauerinstallation für feste Abläufe.

Wo nur ein Keller leergepumpt werden soll, genügt eine Tauchpumpe. Wo feste Sanitärobjekte unterhalb der Rückstauebene angeschlossen sind, ist das eine Installationsaufgabe nach Norm.

Wie werden die Rohre verbunden?

KG- und HT-Rohre werden gesteckt, nicht geklebt. Das Spitzende des einen Rohrs schiebt sich in die Steckmuffe des anderen, ein Lippendichtring nach DIN EN 681 dichtet ab. Ein wenig Gleitmittel auf dem Spitzende genügt, Fett oder Spülmittel greifen die Dichtung an.

Geklebt wird nur im Druckbereich, also bei PVC-U-Klebefittingen. Wer eine Abwasserleitung klebt, nimmt sich die Möglichkeit, später ein einzelnes Stück auszutauschen, und arbeitet gegen die Längenausdehnung des Rohrs.

Das gehört dazu

Formstücke finden Sie unter PVC-Fitting, Klebeverbindungen unter PVC-U-Klebefittinge und den Übergang auf ein vorhandenes Altrohr unter Flexible Rohrverbinder. Für die Pumpenebene stehen Tauchpumpen und Pumpenschächte bereit. Soll Regenwasser nicht in den Kanal, sehen Sie sich Regenwassernutzung und Versickerung an, für Sicker- und Schichtenwasser die Drainagesysteme.

Häufige Fragen zu Abwassersystemen

Was ist der Unterschied zwischen KG-Rohr und HT-Rohr?

KG-Rohr liegt im Erdreich außerhalb des Gebäudes, ist orangebraun und besteht aus PVC-U nach DIN EN 1401-1. HT-Rohr liegt innerhalb des Gebäudes, ist grau und besteht meist aus Polypropylen nach DIN EN 1451-1. Beide werden gesteckt, nicht geklebt. Die Nennweiten überschneiden sich nur bei DN 110, DN 125 und DN 160, der Rest ist getrennt.

Welches Gefälle braucht eine Abwasserleitung?

Für Sammel- und Grundleitungen nennt DIN 1986-100 das Mindestgefälle 1 zu DN, bei DN 100 also ein Prozent. Das gilt innerhalb wie außerhalb des Gebäudes. Flacher bis 0,5 Prozent ist nur zulässig, wenn die Leitung auf Vollfüllung bemessen wird und genügend Reinigungsöffnungen vorhanden sind. Eine unbelüftete Einzelanschlussleitung bekommt mindestens ein Prozent.

Warum keine 90-Grad-Bögen?

Ein rechtwinkliger Bogen bremst das Wasser schlagartig ab, Feststoffe setzen sich genau dort ab. Setzen Sie stattdessen zwei 45-Grad-Bögen mit einem kurzen Zwischenstück. Die Fließgeschwindigkeit bleibt erhalten und die Leitung lässt sich später mit einer Spirale reinigen. Bei Richtungsänderungen über 45 Grad gehört zusätzlich eine Reinigungsmöglichkeit dazu.

Was ist die Rückstauebene?

Die Rückstauebene ist die Höhe, bis zu der das Wasser im Kanal ansteigen kann. Der Begriff ist in DIN EN 12056-1 definiert, die Lage regelt in Deutschland DIN 1986-100: in der Regel die Straßenoberkante an der Anschlussstelle, sofern die Kommune in ihrer Entwässerungssatzung nichts anderes festlegt. Abläufe darunter müssen gesichert sein, fäkalienhaltiges Abwasser über eine Hebeanlage.

Brauche ich ein Trennsystem oder ein Mischsystem?

Das gibt Ihre Gemeinde vor. Im Trennsystem laufen Regenwasser und Schmutzwasser in zwei getrennten Leitungen, im Mischsystem in einer. Neubaugebiete werden fast immer im Trennsystem erschlossen, weil das die Kläranlage entlastet. Fragen Sie im Zweifel bei der Gemeinde nach, bevor Sie die Grundleitung planen.

Schicken Sie uns Ihren Grundriss

Eine Skizze mit den Ablaufstellen und der Lage des Anschlusskanals genügt. Daraus stellen wir Ihnen die Nennweiten und die Stückliste zusammen. Telefon +31 341 266 636, E-Mail info@irritech.de.