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Regenwassernutzung und Versickerung

Regenwasserversickerung führt Niederschlag auf dem eigenen Grundstück in den Boden zurück, statt ihn in den Kanal zu leiten. Pro Quadratmeter angeschlossener Fläche rechnet man mit 10 bis 30 Litern Speichervolumen.

Bei uns finden Sie Sickerboxen von 150 bis 1.300 Litern, dazu Schlammsammler, Entlüfter und Vlies.

Was ist Regenwasserversickerung?

Bei der Versickerung wird Niederschlagswasser von Dach, Terrasse oder Zufahrt nicht in den Kanal geleitet, sondern auf dem Grundstück zwischengespeichert und langsam an den Boden abgegeben. Der Speicher fängt die Regenspitze ab, der Boden übernimmt die Ableitung.

Das unterscheidet die Versickerung von der Dränung. Eine Dränung holt Wasser aus dem Boden heraus, eine Versickerungsanlage bringt es hinein. Beides kann auf einem Grundstück nebeneinander vorkommen, es sind aber zwei verschiedene Aufgaben.

Welche Bauweisen gibt es?

BauweisePrinzipPlatzbedarf
Rigole mit Sickerboxenunterirdischer Hohlraumspeicher aus Kunststoffboxengering, unter Rasen oder Zufahrt
KiesrigoleGraben mit Grobkies, rund ein Drittel Hohlraumetwa dreimal so viel Volumen wie Sickerboxen
Sickerschachtsenkrechter Schacht, versickert über die Sohlesehr gering, braucht durchlässigen Untergrund
Muldenversickerungflache begrünte Senkegroß, dafür sehr wartungsarm

Richtwerte. Maßgebend für Planung, Bau und Betrieb von Versickerungsanlagen ist das Arbeitsblatt DWA-A 138. Was auf Ihrem Grundstück erlaubt ist, sagen Ihnen Gemeinde und untere Wasserbehörde.

Wie viel Speicher brauchen Sie?

Die einfache Planungsregel lautet: 10 bis 30 Liter Speichervolumen je Quadratmeter angeschlossener Fläche, je nach Bodenbeschaffenheit. Ein Dach von 80 Quadratmetern ergibt damit 800 bis 2.400 Liter.

  1. Fläche ermitteln. Maßgebend ist die Grundfläche des Dachs in der Draufsicht, nicht die schräge Dachfläche.
  2. Boden einschätzen. Sand und sandiger Lehm liegen am unteren Ende der Spanne, bindiger Lehm am oberen Ende und stark bindige Böden auch darüber.
  3. Sickertest machen. Ein Loch von 50 mal 50 Zentimetern und 50 Zentimetern Tiefe ausheben, einen Tag vorher wässern, erneut bis 30 Zentimeter füllen und messen, wie schnell der Spiegel fällt. Einen belastbaren kf-Wert liefert erst eine Bodenuntersuchung.
  4. Volumen wählen und auf die nächste lieferbare Boxengröße aufrunden. Großzügig gerechnet ist hier selten verkehrt.
  5. Lage festlegen, mit ausreichendem Abstand zu Gebäude, Grenze und Bäumen.
  6. Vorreinigung einplanen, damit kein Laub und kein Sand in den Speicher gelangt.

Wie ist eine Rigole aufgebaut?

Das Wasser läuft vom Fallrohr zunächst in eine Vorreinigung, meist einen Schlammsammler. Dort setzen sich Sand und Feinmaterial ab. Von dort geht es in die Sickerboxen, die als Hohlraumkörper rund 95 Prozent ihres Volumens als Speicher zur Verfügung stellen. Das Paket ist ringsum in Geotextil eingepackt, damit kein Feinmaterial eingespült wird.

Damit sich der Speicher füllen und wieder leeren kann, muss Luft entweichen und nachströmen können. Dafür sorgt ein Be- und Entlüfter, sofern kein Kontrollschacht mit belüfteter Abdeckung vorhanden ist.

Welche Flächen dürfen angeschlossen werden?

  • Dachflächen aus Ziegel, Beton oder Bitumen: unkritisch, direkte Versickerung möglich.
  • Terrassen und Gartenwege: unkritisch, häufig genügt eine Flächenversickerung über die angrenzende Rasenfläche.
  • Pkw-Stellplätze auf dem Privatgrundstück: in der Regel möglich, Vorbehandlung vorsehen.
  • Unbeschichtete Metalldächer aus Kupfer, Zink oder Blei: kritisch. Rigole und Sickerschacht versickern ohne belebte Bodenzone, es fehlt also die reinigende Oberbodenpassage. Solche Abflüsse sind nach DWA-M 153 zu bewerten.
  • Hof- und Betriebsflächen mit stärkerem Fahrzeugverkehr: gesonderte Bewertung nach DWA-M 153 nötig.

Wie tief liegt der Speicher?

Im Gartenbereich reicht eine Überdeckung von 20 bis 40 Zentimetern über der Boxenoberkante. Liegt die Rigole unter einer befahrenen Fläche, etwa unter einer Pkw-Einfahrt, sind mindestens 80 Zentimeter Überdeckung nötig, damit die Last verteilt wird.

Nach unten gilt der Abstand zum mittleren höchsten Grundwasserstand (MHGW): mindestens ein Meter zwischen der Sohle der Anlage und dem Grundwasser. Wo der Grundwasserspiegel hoch steht, ist eine flache, breite Rigole die bessere Lösung als eine tiefe, schmale.

Was hält die Anlage auf Dauer funktionsfähig?

Versickerungsanlagen versagen fast nie am Speicher, sondern an der Vorreinigung. Ein Schlammsammler, der nie geleert wird, läuft irgendwann über und schiebt den abgesetzten Sand doch in die Boxen. Sehen Sie ihn zweimal jährlich nach, im Spätherbst nach dem Laubfall und im Frühjahr.

Zweiter Punkt ist der Dachrinnenschutz. Was im Laubfang hängen bleibt, landet nicht in der Rigole. Der Aufwand oben an der Rinne ist ein Bruchteil dessen, was ein zugesetztes Boxenpaket später kostet.

Das gehört dazu

Den Speicher selbst finden Sie unter Sickerboxen und Rigolensysteme, die einzelnen Boxen unter Sickerboxen. Eingeschlagen wird das Paket in Geotextil-Vlies, angeschlossen mit einem Anschlussadapter. Die Vorreinigung steht unter Versickerungssysteme für Oberflächenwasser, dort der Schlammsammler und der Entlüfter. Steht das Wasser dagegen im Boden, hilft ein Drainagesystem.

Häufige Fragen zur Regenwasserversickerung

Warum soll Regenwasser versickert werden?

Nach § 55 Absatz 2 des Wasserhaushaltsgesetzes soll Niederschlagswasser ortsnah versickert, verrieselt oder ohne Vermischung mit Schmutzwasser in ein Gewässer eingeleitet werden, soweit dem weder Vorschriften noch wasserwirtschaftliche Belange entgegenstehen. Praktisch bedeutet das: Der Kanal wird entlastet, das Grundwasser wird neu gebildet, und in vielen Gemeinden sinkt die Niederschlagswassergebühr, weil weniger Fläche als angeschlossen gilt. Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde nach der gesplitteten Abwassergebühr.

Wie groß muss eine Versickerungsanlage sein?

Als Faustzahl rechnen Sie mit 10 bis 30 Litern Speichervolumen je Quadratmeter angeschlossener Fläche. Der genaue Wert hängt vom Boden ab: Sandiger Untergrund nimmt Wasser schnell auf, also reicht wenig Speicher. Lehm braucht deutlich mehr, weil das Wasser lange stehen bleibt. Maßgebend für die Bemessung ist das Arbeitsblatt DWA-A 138.

Ist mein Boden überhaupt zur Versickerung geeignet?

Entscheidend ist die Durchlässigkeit, ausgedrückt als kf-Wert. Nach DWA-A 138 liegt der geeignete Bereich zwischen 1 mal 10 hoch minus 3 und 1 mal 10 hoch minus 6 Meter je Sekunde. Ist der Boden durchlässiger, wird das Wasser nicht ausreichend gereinigt, ist er dichter, versickert es zu langsam. Ein einfacher Sickertest im Garten gibt Ihnen einen ersten Anhaltspunkt.

Welchen Abstand braucht die Anlage zum Gebäude?

Halten Sie zu unterkellerten Gebäuden ohne wasserundurchlässige Wanne einen Abstand vom mindestens 1,5-Fachen der Baugrubentiefe ein, zu nicht unterkellerten Gebäuden mindestens sechs Meter. So vermeiden Sie, dass das versickernde Wasser seitlich an das Fundament wandert. Für die Grundstücksgrenze und für Nachbargebäude gelten die gleichen Überlegungen. Im Zweifel fragen Sie bei der unteren Wasserbehörde nach.

Brauche ich eine Genehmigung?

Das Versickern von Niederschlagswasser ist eine Gewässerbenutzung nach § 9 Absatz 1 Nummer 4 WHG und damit nach § 8 Absatz 1 WHG grundsätzlich erlaubnispflichtig. Mehrere Bundesländer stellen unbelastetes Niederschlagswasser auf dem eigenen Grundstück davon frei, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Die Erlaubnis erteilt die untere Wasserbehörde bei Kreis oder Landratsamt, örtliche Vorgaben macht die Entwässerungssatzung Ihrer Gemeinde. Klären Sie das, bevor Sie den Bagger bestellen.

Rechnen wir Ihre Fläche einmal durch

Nennen Sie uns die Dachfläche in Quadratmetern und beschreiben Sie kurz den Boden im Garten. Daraus ergeben sich das nötige Speichervolumen und die Zahl der Boxen. Telefon +31 341 266 636, E-Mail info@irritech.de.